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Deutsche Liebespaare im Film als Spiegel der Zeitgeschichte




In "Der Kongress tanzt" (1931) heißt das Mädel aus dem Volk Christel und wird von der grazilen Lilian Harvey ideal verkörpert. Der Mann auf dem Thron ist Zar von Russland und findet in dem strahlenden Willy Fritsch einen optimalen Darsteller. Harvey und Fritsch galten zu ihrer Zeit als Traumpaar, und ein Traum ist es auch, der sich in dieser federleichten Komödie charmant entfaltet, wenn auch nicht erfüllt: Im Jahre 1814 tagt der Wiener Kongress. Eine kleine Handschuhmacherin erobert einen großen Fürsten – aber es reicht nur zu einer Romanze. Die allerdings ist so bezaubernd, dass Christel und Alexander ihr Lied "Das gibt's nur einmal, das kommt nicht wieder" wohl ein Leben lang vor sich hin singen werden. Der von den Nazis missbilligte Film verwandelt das Kino bereits in jene Illusionsmaschinerie, zu der es später ausgebaut wird.

Die deutsche Restauration der 1950er Jahre blickte gern nostalgisch weit zurück. Romy Schneider war als bayerische Prinzessin des 19. Jahrhunderts zugleich ein Naturkind: jung, eigenwillig, gefühlvoll und bildschön. Karlheinz Böhm als kaiserlicher Bewerber um Hand und Herz der Sissi versöhnte erhabene Majestät mit menschlicher Wärme – und wäre die böse Schwiegermutter nicht, so fiele kein Schatten auf das Glück des hohen Paares. Aber leider ist da das berüchtigte spanische Hofzeremoniell und auch sonst zeigt sich mal wieder, dass die Macht ihren Preis hat. Der Welterfolg der "Sissi"-Trilogie (1955, 1956, 1957) wäre nicht denkbar ohne den Charme und die Unschuld Romy Schneiders. Aber der Filmstar wollte mehr, wollte auch gebrochene Charaktere verkörpern, was ihr das harmoniesüchtige deutsche Publikum jener Dekade nie verzieh.

Die feuerrote Lola (Franka Potente) und ihr Freund Manni (Moritz Bleibtreu) haben in "Lola rennt" (1998) keine Zeit zu verlieren. Lola, eine erwachsene Pippi Langstrumpf mit enormer Energie, rennt durch das pralle Großstadtleben, um Manni zu retten. Der ist etwas unbeholfen, dennoch ein gestandener Kerl. Trotzdem hat Lola die Hosen an, sie sprüht vor Ideen, die sie auch noch umsetzt: "Warte, Manni, ich komme – mir ist bisher immer noch was eingefallen." Die Beziehung der beiden ist aufrichtig und loyal. Die pulsierende Welt aber, in der sie existiert, verändert sich zu rasant: Wiedervereinigung, Globalisierung, das Auf und Ab der Börse – eigentlich ist es die Weltgeschichte, die rennt. In diesem Wirbel bleibt das Paar, das sich immer nur für kurze Momente trifft, die einzige Konstante. Die Liebe als Fels in der Brandung. Nur sie gibt Halt.




Autor dieses Artikels: Gabriele Witzleben
Eingereicht am: 2008-03-19


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