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Crocs – Liebe auf den zweiten Blick




Man muss es einmal klar aussprechen: Anfangs hat es überhaupt nicht „gefunkt“! „Die Frau trägt Gartenschuhe“, flüsterte meine Tochter. Damals als alles begann. „Starr nicht so hin, das gehört sich nicht!“ flüsterte ich zurück. Bequeme Treter fürs Gemüsebeet, nach getaner Arbeit mit dem Gartenschlauch abzuspritzen. Praktisch, nahezu unverwüstlich und durch die frischen Farben peppiger als alles, was der Baumarkt zu bieten hat. Ich gestehe es: das war mein erster Eindruck von Crocs. Von dem Tag an ging es Schlag auf Schlag: Kolleginnen, Kindergärtnerinnen, meine Ärztin – reihenweise erlagen Frauen in meinem engsten Umfeld dem Charme des ungewöhnlichen Newcomers. Meine Mutter nahm mich eines Tages zur Seite: „Probier es einfach einmal aus“, riet sie mir. „Crocs können was andere nicht können. Nie werden sie an dir kleben, sie engen dich nicht ein, sind aber immer da um dich zu schützen.“ Noch blieb ich standhaft, obwohl mich ein Blick auf das türkise, von Luftlöchern gezierte Schuhwerk, das unter dem schweren Mahagoni-Schreibtisch meines Steuerberaters hervorblitzte, nachdenklich machte. Mein eigen Fleisch und Blut war den Crocs bereits verfallen. Sieben Paare in den Farben des Regenbogens zierten Töchterchens Schuhschrank, eines davon trug die Dame von Welt ausschließlich nachts im Bett. Jibbitz, die austauschbaren Anstecker für Crocs, wurden zur offiziellen Währung in mitteleuropäischen Kindergärten erklärt. Der Winter würde alles ändern: Goretex, pelzgefütterte Stiefel – ich erwartete einen Hauch von Normalität im Schuhgeschäft meines Vertrauens. Doch dann kam alles anders, denn was ich an jenem denkwürdigen Novembertag vorfand, ließ meinen Atem stocken: Pinkfarbene Crocs mit einem verführerisch kuscheligem Felleinsatz. „Mammoth“ raunte mir die Verkäuferin verschwörerisch zu. „Sie werden nie mehr frieren.“ Von Stund’ an war es um mich geschehen: „Cayman“, „Baya“, „Patra“ - der erste Sommer mit meiner neuen Liebe war wie ein Rausch. „Nanook“, „Nadia“ - im darauf folgenden Winter hatten wir es warm und behaglich. Wir stehen in unserem zweiten Jahr und die Leidenschaft ist ungebrochen. Ich glaube fast, das wird eine Beziehung fürs ganze Leben.




Autor dieses Artikels: Ansgar Offermanns
Eingereicht am: 2009-07-07


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