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Beweglichkeit – die Wichtigkeit für hohe Lebensqualität
Wahrscheinlich merkt man es im Alltag genauso wie im Sport – die Beweglichkeit hat erheblich nachgelassen. Als Kind konnte man den großen Zeh bis zum Mund führen, als Jugendlicher im Stehen bei gestreckten Beinen mit den Händen den Boden berühren, als junger Erwachsener ein zusammengerolltes Handtuch an den Enden fassen und mit gestreckten Armen nach hinten auf den Rücken führen, sagen Sportwissenschaftler und Personal Trainer.
All das geht jetzt nicht mehr so ohne weiteres. Keine Sorge – mit dieser Erfahrung steht fast niemand allein da. Die Beweglichkeit lässt nämlich schon recht früh nach: Vor der Pubertät ist sie am größten, danach wird sie immer geringer. Das ist vielen von uns zwar schon aufgefallen, doch so richtig lästig war es nie und deshalb gab es keinen Grund etwas dagegen zu unternehmen. Die Ursachen: Die Muskulatur hat sich verkürzt und verkrampft, die Gelenke sind nur noch unzureichend geschmiert. Beides lässt sich aber durch Übungen verbessern. Muskeln können gedehnt und auch die Gelenke durch Bewegung wieder geschmiert werden. Nicht umsonst ist es heute üblich, schon wenige Tage nach einer Operation die Gelenke wieder passiv zu bewegen, berichten Personal Trainer und Physiotherapeuten. Das fördert deren Nährstoffversorgung und verhindert vorzeitige Abnutzungserscheinungen.
Nun stellt sich für viele die Frage – ist ein Bewegungsprogramm für einen geeignet.
Aller Wahrscheinlichkeit nach ja. Es gibt nur eine Einschränkung: Menschen mit so genannter Hypermobilität, das heißt mit einer solch großen Beweglichkeit, dass die Gelenke nur noch sehr schlecht von den Muskeln und Sehnen zusammengehalten werden, sollten nicht auch noch ein Dehnprogramm absolvieren. Aber dieser Fall ist ausgesprochen selten. Für alle anderen sind Beweglichkeitsübungen fast immer sinnvoll. Ganz wichtig sind diese sogar, wenn man sehr dynamische Sportarten ausübt – dazu gehören zum Beispiel alle Ballspiele, Leichtathletik, Turnen und Skilaufen –, wenn jemand häufiger Muskelverletzungen hat, oder wenn deren Beweglichkeit so eingeschränkt ist, dass man schon bei Alltagsbewegungen wie „Schuhe zubinden“ Probleme hat.
Nach Aussage der Personal Trainer und Fitness-Coach ist das Zauberwort, um diese Einschränkungen zu reduzieren, „Stretching“. Es kommt aus dem Englischen, bedeutet einfach nur „dehnen“ und hat als Übungsprinzip das klassische Wippen abgelöst. Für den Fall, dass jemandem das nichts sagt, hier liegt der Unterschied: Wenn man sich zum Beispiel mit gegrätschten Beinen hinstellt und versucht, mit den Händen den Boden zu berühren, dann hat man früher einige Male gewippt, ist dabei immer näher zum Boden gekommen, bis man diesen mit den Fingerspitzen erreicht hat.
Beim Stretchen hingegen beugt man sich nach unten, soweit es geht. Das heißt, bis man ein deutliches Ziehen an der Rückseite der Oberschenkel spürt und bleibt etwa zehn Sekunden in dieser Position. Die Begründung der Personal Trainer und Fitness Trainer dafür, dass man heute dem Stretchen den Vorzug gibt, ist einfach. Unsere Muskeln verfügen über Messfühler, die die Länge des Muskels messen. Deren Aufgabe ist es, Überdehnungen mit möglichen Einrissen verhindern. Wird ein Muskel gedehnt, so werden diese Messfühler mitgedehnt. Diese geben dann dem Muskel den Befehl sich zusammenzuziehen. Dies geschieht reflexartig und unwillkürlich, man kann es nicht beeinflussen. Besonders empfindlich reagieren die Messfühler auf ruckartiges Dehnen. Wer also seine Muskeln durch wippendes Üben dehnen will, löst damit im gleichen Moment einen hemmenden Reflex aus. Dehnung und Gegenreaktion neutralisieren sich gegenseitig, dadurch bleibt der Übungseffekt sehr gering, geben Sportwissenschaftler und Personal Trainer zu bedenken.
Das Stretching nutzt eine Besonderheit der Messfühler aus: Bei sehr langsamen Bewegungen ist deren Reaktion nicht so heftig, die hemmenden Befehle bleiben schwächer. Gleichgültig, welche Muskel man dehnen will, das Vorgehen ist immer gleich: In eine Position gehen, in welcher der Muskel, den man dehnen möchte, ein deutliches Spannungsgefühl aufweist. Nun 10 Sekunden lang in dieser Position bleiben, dann entspannen und die Übung mehrere Male wiederholen. Der Tipp von Sportphysiotherapeuten und Personal Trainer: Das Stretching, das hauptsächlich auf die Muskeln wirkt, sollte durch große, kreisende Bewegungen in den Gelenken ergänzt werden.
Silvio Philipsen info@naturellpower.de
Autor dieses Artikels: Silvio Philipsen
Eingereicht am: 2009-06-27
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